FAIR TEILEN: beschäftigt gegen arbeitslos?
Es gibt Arbeit für alle!
Beschäftigte – ob Vollzeit, Teilzeit, oder Geringfügig – und Arbeitslose sind keine GegnerInnen, sie alle sitzen im selben Boot. Sieht man sich die jährlich geleisteten Überstunden an, kommt man zu dem Schluss: Es ist genug Arbeit für alle da.
Es wird in den nächsten Jahren viele Bereiche geben, in denen wir neue Jobs dringend brauchen, in Gesundheit, Pflege und Betreuung. Dafür muss man jetzt Geld in die Hand nehmen, für die Ausbildung sorgen, die Einrichtungen bauen und diese Jobs auch angemessen bezahlen!
Die Krise ist für manche vorbei. Für rund 400.000 arbeitslose Menschen noch lange nicht.
Hunderttausende Menschen sind in Österreich arbeitslos – gleichzeitig werden jährlich Millionen an Überstunden geleistet, 2008 waren es 355 Millionen! Mehr als ein Viertel davon, 27 Prozent, werden gar nicht oder nicht korrekt bezahlt. Allein diese unbezahlten Stunden machen in Vollzeitjobs umgerechnet 60.000 Arbeitsplätze aus. Auch am Arbeitsmarkt gilt: Es ist genug Arbeit da, man muss sie nur fair teilen!
Nicht flexibel? „Fair teilen“ heißt es für ÖGB und Gewerkschaften daher auch auf dem Arbeitsmarkt. Wenn man die Arbeitslosenzahl und die Anzahl der geleisteten Überstunden auf die eine Seite der Waagschale legt, und auf die andere Seite die immer wieder kehrenden Forderungen der Arbeitgeber nach noch mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten – dann ist von fair teilen nicht viel zu sehen. „Die immer wieder kehrenden Forderungen nach noch flexibleren Arbeitzeiten oder nach noch längeren täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeiten sind jenseitig“, sagt vida-Vorsitzender Rudolf Kaske, Arbeitsmarktsprecher des ÖGB. „Man kann den Menschen, die schon jetzt regelmäßig Überstunden leisten, nicht noch mehr aufbürden und ihnen dafür womöglich noch die Zuschläge wegnehmen. Solche Forderungen sind auch den vielen Arbeitslosen gegenüber ein ganz schlechtes Signal.“ Die vorhandene Arbeit muss fair geteilt werden, das kommt den Beschäftigten aus gesundheitlicher Sicht zugute, und natürlich den arbeitslosen Menschen. Das bloße Streichen von Überstundenzuschlägen fällt für den ÖGB und die Gewerkschaften jedenfalls nicht unter den Begriff „Flexibilisierung“.
Innovative Ideen sind gefragt, wie das „Soli-Modell“ in der Voest. Für die Beschäftigten wurde dort ein eigenes Schichtmodell geschaffen, das durch die kürzere Arbeitszeit für die Betroffenen weniger Nachtschichten vorsieht. Als Lohnausgleich gibt es zwei Jahres lang eine Förderung vom Arbeitsmarktservice (AMS) bis maximal 50 Prozent des entfallenen Entgeltes. 500 Beschäftigte machen mit, dafür konnten 50 neue Arbeitskräfte beschäftigt werden.
Armutsrisiko Arbeitslosigkeit! Vier von zehn Arbeitslosen haben mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Das belegt der Arbeitsklima-Index der AK Oberösterreich. Wer seinen Job verliert, hat Probleme damit, die monatlichen Fixkosten zu decken. Bei den Beschäftigten sind es hingegen nur sieben Prozent, die mit dem Geld nicht auskommen. Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto schlimmer wird die Lage. Deshalb ist eine Erhöhung des Arbeitslosengelds und der Notstandshilfe überfällig.
Erhöhung des Arbeitslosengeldes, und zwar zumindest auf den EU-Durchschnitt (60 Prozent vom letzten Nettoeinkommen)! „Wir brauchen ein höheres Arbeitslosengeld um Armut zu vermeiden und auch um die Konjunktur nicht abzuwürgen. Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, und wenn man nicht jetzt dafür sorgt, dass der Konsum stabil bleibt bzw. steigt, wird der zarte Wirtschaftsaufschwung gleich wieder abgewürgt. Höheres Arbeitslosengeld ist eine Maßnahme, um dem entgegenzuwirken“, sagt ÖGB-Präsident Erich Foglar.
ÖGB und Gewerkschaften verlangen:
- wachstums- und beschäftigungsfördernde Wirtschaftspolitik durch Stärkung der Binnennachfrage, EU-weit
- Sozialmilliarde für Pflege-, Betreuungs- und Gesundheitsberufe
- mehr Arbeitsuchende in Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
- bessere Nutzung der Qualifikationen von ZuwanderInnen für den heimischen Arbeitsmarkt
- Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf EU-Niveau
- Verkürzung der Arbeitszeit bei Sicherung des Lebensstandards
- weniger Überstunden, dafür Bezahlung der geleisteten Überstunden
- Recht auf Teilzeitarbeit und auf Rückkehr zur Vollzeit
- bessere Kontrollen der (Höchst-)Arbeitszeit



